Autor, Sprecher und Episodenbild
Yeal Gabriel Gwyneth Spengler
Technik und Gestaltung
Thorsten Siefert
Das sind die Voraussetzungen: kein Einreiseverbot, keine Vorstrafen und Antragsteller müssen nachweisen, dass sie bereits fünf Monate vor dem Ende des Jahres 2025 eingereist sind. Wer diese Bedingungen erfüllt und zurzeit als illegaler Einwanderer in Spanien lebt, kann die Legalisierung seines Aufenthaltes – zunächst für ein Jahr – beantragen. Eine Arbeitserlaubnis gibt es gleich dazu. Neu sind solche Verfahren auf der iberischen Halbinsel nicht, seit 2004 wurde der Aufenthalt von 1,4 Millionen Einwanderern dort mithilfe ähnlicher Verfahren ermöglicht. Jetzt soll dieser Weg weiteren 500.000 Menschen eröffnet werden.
Dabei ist Spanien kein unbedingt migrationsfreundliches Land, die Einreisepolitik ist recht restriktiv. Allerdings: Die Erfahrungen, die seit 2004 mit der Legalisierung sich illegal dort aufhaltender Menschen gemacht wurden, sind ausgesprochen positiv. Spanien hatte im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,8 %. Experten sind sich einig, dass die einst ungebetenen Gäste, die mittlerweile spanische Bürger geworden sind, dazu einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet haben.
Tatsache ist: Genau wie andere europäische Länder hat Spanien ein Problem mit dem Bevölkerungswachstum, einfach ausgedrückt: Die Spanier haben zu wenig Nachwuchs, der Anteil der alten Menschen im Land wächst stetig. Und Arbeitskräfte fehlen. Will man also die Rentenkasse zahlungsfähig halten und die Arbeitsplätze im Land besetzen, kommt man nicht umhin, das Land weiter zu öffnen. Warum nicht für diejenigen, die jetzt bereits – wenngleich ohne Aufenthaltserlaubnis – in Spanien leben und arbeiten.
Kritik an dem Vorgehen der linksgerichteten spanischen Regierung, die übrigens in ihrem Vorhaben auch von den Arbeitgeberverbänden und der Kirche unterstützt wird, kommt von Rechts: Man belohne Menschen, die illegal ins Land gekommen seien und gegen die europäische Migrationspolitik verstoße man auch.
Und die Spanier selbst sind sich der Tatsache bewusst, dass Wirtschaft und Sozialsysteme von dem Legalisierungsverfahren profitieren. Ihre Regierung setzt sich für eine offene und empfangende Gesellschaft ein, das Ausländerrecht wurde kürzlich reformiert.
Überlastete Sozialsysteme, zu geringe Geburtenraten, fehlende Fach- und Arbeitskräfte – diese Faktoren ergeben die Motivation für eine wenigstens in Teilen nicht so restriktive Einwanderungspolitik Spaniens, die von großem Pragmatismus, von der Anerkennung längst bestehender Realitäten getragen wird. Und die Wirtschaftsdaten zeigen, dass dies ein vernünftiger Ansatz ist. Hinzu kommt, dass sich die Integration gerade von Einwandern aus Südamerika wohl aufgrund der gemeinsamen Sprache recht schnell vollzieht.
Klar ist: Die Zuwanderung nach Europa muss reguliert werden, muss kontrolliert erfolgen, muss eine gleichmäßige Verteilung der Menschen auf die einzelnen Länder anstreben. Klar ist aber auch, dass die Notwendigkeit einer Zuwanderung nicht zuletzt für die wirtschaftliche Zukunft des Kontinents unabdingbar ist. Es gibt also kein Entweder Oder. Schon deshalb ist die momentan sehr restriktive Einwanderungspolitik der EU-Länder überdenkenswert.


