Autor, Sprecher und Episodenbild
Yeal Gabriel Gwyneth Spengler
Technik und Gestaltung
Thorsten Siefert
Eigentlich nicht erforderlich, aber dennoch unverkennbares Zeichen eines fantastischen Marketings. Ein Twitterpost mit wenig Text โA big week ahead. It all starts Monday Morning.โ Dazu ein kurzer Videoclip. Man sieht einen grauen, verdรคchtig aluminiumartigen Hintergrund, auf dem innerhalb kurz Zeit mit einer Hand ein Markenzeichen modelliert wird, das wir alle kennen. Abschlieรend hรถrt man ein kurzes, eingรคngiges Audiologo. Fertig. Und nun ist es offiziell. Das kalifornische Unternehmen Apple wird uns ab heute mit neuen Produkten erfreuen.
Die Jรผnger der groรen Gemeinde im Leben so vieler Menschen offenbar unverzichtbarer und perfekt vernetzter Elektronik wissen es schon eine ganze Weile. Die Informationen, sie sind wie immer nach und nach durchgedrungen, geleakt. Nichts Offizielles, aus dem Apple-Raumschiff dringt nur Stille heraus. Ober doch nicht? Wenn wir etwas hรถren, dann nur รผber bekannte Personen, die der Applewelt ganz, ganz nahe sind, wie Marc Gurman oder Ming CHI Kuo. Sie befinden sich in einer definierten Verรถffentlichungs-Nicht-Verรถffentlichungs-Partnerschaft mit dem kalifornischen Elektronikriesen. รber inoffizielle Kanรคle sollen sie ihre Informationen beziehen, die dann – mit wechselnder, aber doch stetig ausreichender Trefferrate – รผber unterschiedliche Medienpfade in die รffentlichkeit transportiert werden.
Und der Applekunde, er lechzt danach. Schon Monate vorab mรถchte der stets mit Neuem Liebรคugelnde gerne wissen, wann die nรคchsten Produkte verรถffentlicht werden, was ihn genau erwartet. Lohnt es sich noch ein iPad zu kaufen oder lรคsst man lieber noch etwas Zeit vergehen? Wird der aktuelle M5-Prozessor nun auch endlich in den iMac oder den MacMini integriert, was ist mit dem MacBookAir? Und รผberhaupt, ist es nicht endlich Zeit fรผr ein neues Design mancher auf den Applejรผnger schon antik wirkender Produkte.
Das Konzept geht auf. Groรartig gelungene Integration von Hard- und Software, dazu ein รkosytem, das fast perfekt vernetzt ist. Gekleidet in ein immer wieder ikonisches Design, vermarktet als das, was es tatsรคchlich auch ist: schierer Luxus. Sagen die Kritiker. Und Nachahmer bestรคtigen die Richtigkeit dieser Strategie. Ganz vorne Xioami, dessen HyperOS auf deren Mobilgerรคten iOS optisch und auch funktional sehr รคhnelt mit einem ebenfalls beachtlichen Integrations- und Inter-operationalitรคts-grad. Und auch Google mit seiner Pixel-Hardware ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen, Microsoft erfreut uns mit seinen groรartig designten Surfacegerรคten, freilich ruckelt man hier noch mit Windows herum. Ein paar Kompromisse muss man machen, aber die Alternativen rรผcken dem groรen Kalifornier Stรผck fรผr Stรผck auf den Pelz.
Apple muss also innovativ bleiben, um konkurrenzfรคhig zu sein, seinen Vorsprung zu halten. Im Bereich der Hardware gelingt das mit den 2020 eingefรผhrten M-Prozessoren recht gut, die nach wie vor einen Leistungsvorsprung vor der Konkurrenz haben, die aber auch in diesem Bereich mit etwAbstand erkennbar aufholt. Die Software von Apple รผberzeugt durch ihre unfassbare und unvergleichbare intuitive Bedienbarkeit. Gerade wer sie wie ich produktiv nutzt, will nicht รผber Treiber, Updates und andere EDV-Dinge nachdenken. Das habe ich mir seit dem ersten iMac 2006 vollstรคndig abgewรถhnt.
Aber Vorsicht: Mitunter fรคllt in den letzten Jahren auf, das manches nicht mehr ganz so smooth lรคuft, besonders dann, wenn man den eigentlichen Nutzungszweck รผberspannt. Diesen Artikel schrieb ich auf einem zumindest heute noch aktuellen 13 Zoll groรen iPadAir mit M3. Angeschlossen hatte ich einen externen OLED-Bildschirm. Mitunter kam ich mit dem Fenstermanagement von iOS nicht so wirklich zurecht und auf GoogleApps war mein iPad heute Morgen, zog man sie auf den OLED, gar nicht gut zu sprechen. Das ist gejammert auf hohem Niveau und ich weiร, dass iOS ein Mobilsystem ist und der gegenรผberstehende iMac oder ein MacBook geeigneter gewesen wรคren zum Schreiben dieses Beitrags โฆ aber das iPad lag gerade hier und ich bin doch so applebequem und bewegungsfaul – dieses Konzept geht nicht immer auf. Egal, dafรผr gelingt das Aufzeichnen und Schneiden auf dem iPad aufgrund der Touchbedienung unfassbar gut und geht im wahrsten Sinne einfach von der Hand. Dennoch: Obacht Apple, deine Jรผnger erwarten nach dem Startgong einen perfekten Auftritt von dir.
Was kommt auf uns in der nun beginnenden Applewoche zu? Auf eine Reihe von nach und nach online vorgestellten Gerรคten – es wird also kein groรes Event oder langes Video, sondern wahrscheinlich einzelne Produktfilme und Informationen auf der Webseite geben – folgen am 4. Mรคrz in New York, London und Shanghai Apple Experiences, zu denen der Konzern Journalisten und Creator eingeladen hat. Hier werden – wie sonst nach Events รผblich – die neuen Produkte im Hands-On verfรผgbar sein. Anschlieรend werden in bewรคhrter Weise die Medien mit allen mรถglichen Informationen dazu geflutet werden. Auf diese wartet der Kunde, wenn er nicht schon vorher diverse Bestellbutton betรคtigt haben wird.
Und was genau gibt es zu ordern? Ganz exakt weiร man das natรผrlich nicht. Gerechnet wird mit verbesserter Hardware fรผr das Basis-iPad, ggf. Auch das iPad Air. Darรผber hinaus erwartet man ein technisch aktualisiertes Einsteiger-iPhone und Highlight der Eventreihe wird wohl ein Einstiegs-MacBook sein, das erschwinglicher und in unterschiedlichen Farben erhรคltlich sein soll. Weitere Gerรผchte sind natรผrlich im Raum, etwa รผber neue HomePods mini oder einen HomeHub. Wenn dieser Beitrag erschienen ist, wird die Wartezeit allerdings sehr รผbersichtlich sein, mehr Spekulationen lohnen sich also nicht.
Folglich: Selbst wenn Sie nicht zur Glaubensgemeinschaft der Appleianer zรคhlen, so lohnt es sich vielleicht doch einmal ein Auge auf die Ereignisse der nรคchsten Tage zu werfen. Sie werden auf jeden Fall gelungenes Marketing erleben und was bitte kann Ihnen denn Schlimmeres passieren – nur ganz eventuell natรผrlich – als in den Applekosmos hineingezogen zu werden, so ganz zufรคllig und fast unbemerkt.


