Autor, Sprecher und Episodenbild
Yeal Gabriel Gwyneth Spengler
Technik und Gestaltung
Thorsten Siefert
Begleitetes Fahren – einst eine Initiative des niedersächsischen Verkehrsministers Walter Hirche – hat sich bewährt. Junge Fahrer verursachen, dies belegt zum Beispiel eine Studie der HUK-Coburg von 2022, deutlich weniger Schäden als zuvor.
Begleitung und Unterstützung von älteren Menschen, beim Einkaufen, im Haushalt, da wo sie gebraucht wird. Eine sinnvolle Sache. Oder die Begleitung von Schülern bei ihren ersten Schritten in einer weiterführenden Schule durch Tutoren, also ältere Mitschüler. Sie lässt den Anfang eines neuen Lebensabschnitts der Neuankömmlinge gut gelingen. Folgeschluss: Die Begleitung durch ältere, erfahrene oder bereits in bestimmten Feldern kompetente Mitmenschen in diversen Lebenslagen ist wünschenswert, sinnvoll und hilfreich.
In allen Lebenslagen? Und wie ist das mit dem begleitenden Trinken? Tatsächlich steht darüber etwas im Jugendschutzgesetz und das seit dem Jahr 1952. Demnach ist der Konsum von Bier, Wein und Schaumwein durch 14 jährige in Begleitung durch Sorgeberechtigte legal, zulässig, also tatsächlich möglich.
Diese Regelung war und ist weder zeitgemäß noch klug. Längst weiß man, dass sich junge Menschen bis in die 20er Lebensjahre hinein noch entwickeln. Umbauprozesse im Gehirn sind weder mit 16 noch mit 18 Jahren beendet. Und Alkohol stört dabei ganz empfindlich: Das Gedächtnis, die Impulskontrolle und die emotionale Entwicklung werden negativ beeinflusst. Vorliegende neurowissenschaftliche Studien bestätigen dies. Drogen, und Alkohol ist eine solche, schaden der Entwicklung, erzeugen Abhängigkeiten, die ggf. in Kriminalisierung und Abdrängung der Betroffenen an den Rand der Gesellschaft führen.
Davon ganz abgesehen: Die Gesamtkosten, die durch Alkoholmissbrauch entstehen, belaufen sich jährlich in der Bundesrepublik auf etwa 57 Milliarden Euro, ca. 74.000 Menschen sterben Jahr für Jahr an den Folgen der Alkoholsucht.
Zurück zu der noch geltenden Regelung des begleiteten Trinkens. Das Argument: Wenn die Eltern dabei sind, dann ist doch alles unter Kontrolle. Falsch. Das Gegenteil belegt eine im Mai 2025 veröffentlichte Studie aus der Reihe “Addictive Behaviours”. Untersucht wurden die Auswirkungen des Trinkens von Alkohol mit elterlicher Zustimmung. Ergebnis: Es ist gefährlich und das sogar unabhängig vom Alter der jungen Menschen.
Eine weitere Folge: Unbeherrschter Umgang mit der Droge. Dies wurde zum Beispiel durch eine Befragung des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2023 deutlich. Interviewt wurden Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren. Besonders interessant sind diese Ergebnisse: 28,9 % der 18 bis 25 jährigen trinken regelmäßig. 13,8 Prozent der Befragten erleben einmal im Monat einen Alkoholrausch. Vielleicht nur ein bisschen trinken? Nein, denn laut der WHO ist die Menge der aufgenommenen Droge Alkohol insofern nicht relevant, als dass schon der denkbar geringste Konsum schädlich ist und das für jeden Menschen.
Bereits im Jahr 2024 nahm die Gesundheitsministerkonferenz die Abschaffung der bisherigen Regelung im Jugendschutzgesetz auf ihre Agenda. Im Juni 2025 erneute sie ihre Forderung gegenüber dem Bund, das Gesetz zu ändern. Unterstützt wird diese durch die jetzige Bundesgesundheitsministerin Prien und auch durch den Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Henning Streek.
Mehrheitlich sind ebenso die Menschen im Land dafür. Eine im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse durchgeführte Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut forsa zeigt das deutlich: 65% der Befragten waren für eine Aufhebung der bisherigen Regelung.
Der Auftrag an die Bundesregierung: Das begleitete Trinken entlegalisieren. In diesem Zusammenhang sowie vor dem Hintergrund vorliegender Forschungsergebnisse und wenn man sich schon einmal dem Thema widmet, könnte man darüber nachdenken, ob das Trinken von Alkohol erst ab dem 18. Lebensjahr erlaubt werden soll. Denn wenn man ein Verhalten nicht vollständig untersagen kann, lässt sich durch Einschränkungen ggf. etwas retten. Nein, nicht etwas. Es geht um Menschen. Sie vor einer Sucht zu bewahren, die sie in ein menschenunwürdiges Leben abdrängt und ihnen letztlich häufig den Tod bringt.


