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Wo Meinungen aufeinander treffen

Teure Wege, fragile Versorgung

Autor, Sprecher und Episodenbild

Thorsten Siefert

Technik und Gestaltung

Thorsten Siefert

Es gilt das gesprochene Wort

Die Spritpreise sind hoch.

Und sie steigen weiter.

Fรผr viele ist das รคrgerlich.

Fรผr mobile soziale Dienste auf dem Land ist es ein echtes Problem.

Denn diese Dienste fahren jeden Tag.

Von Dorf zu Dorf.

Von Haus zu Haus.

Oft รผber viele Kilometer.

Genau dort, wo die Wege lang sind, trifft der Preisschock am hรคrtesten.

Nicht im Bรผro.

Nicht in der Statistik.

Sondern direkt auf der StraรŸe.

Ambulante Pflegedienste kรถnnen ihre Arbeit nicht ins Homeoffice verlegen.

Sie mรผssen raus.

Sie mรผssen fahren.

Und sie mรผssen pรผnktlich sein.

Schon Anfang Mรคrz warnte der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationรคre Einrichtungen vor einer massiven Belastung durch die gestiegenen Kraftstoffpreise.

Als Beispiel nannte der Verband bundesweite ADAC-Werte von 1,839 Euro fรผr Super E10 und 1,816 Euro fรผr Diesel.

Fรผr lรคndliche Regionen ist das besonders brisant.

Dort gibt es weniger Alternativen.

Weniger Personal.

Weniger Reserve.

Und meistens lรคngere Touren.

Jeder zusรคtzliche Euro an der Zapfsรคule wirkt sofort.

Auf die Einsatzplanung.

Auf die Wirtschaftlichkeit.

Und auf die Frage, ob jede Fahrt noch leistbar ist.

Denn mobile soziale Dienste transportieren nicht einfach nur Menschen oder Material.

Sie bringen Hilfe.

Sie bringen Pflege.

Sie bringen Struktur in den Alltag.

Und oft auch ein Stรผck Sicherheit.

Wenn diese Dienste unter Druck geraten, spรผren das zuerst die Menschen, die auf sie angewiesen sind.

Vor allem pflegebedรผrftige Menschen.

Vor allem alte Menschen.

Vor allem Menschen, die allein leben.

Fรผr sie kann ein ausgedรผnnter Fahrplan gravierende Folgen haben.

Ein verspรคteter Besuch ist dann nicht nur unpraktisch.

Er kann bedeuten: spรคtere Medikamentengabe.

Spรคtere Hilfe beim Waschen.

Spรคtere Unterstรผtzung beim Essen.

Oder gar weniger persรถnliche Zuwendung.

Und auf dem Land kommt noch etwas dazu.

Die Wege zur Familie sind oft weit.

Die Wege zur nรคchsten Arztpraxis auch.

Wenn dann auch noch mobile soziale Dienste an Grenzen stoรŸen, wird Versorgung schnell fragil.

In Rheinland-Pfalz werden Pflegevergรผtungen nicht einfach einseitig festgelegt.

Sie werden verhandelt und vereinbart.

Aber ob die aktuelle Runde die Belastung durch die hohen Spritpreise bereits ausreichend abbildet, lรคsst sich รถffentlich nicht klar belegen.

Genau das verschรคrft die Unsicherheit.

Denn Kosten steigen sofort.

Verhandlungen wirken langsam.

Und Hilfe wird trotzdem jeden Tag gebraucht.

Die eigentliche Gefahr ist deshalb leise.

Sie kommt nicht mit einem Knall.

Sie kommt schrittweise.

Ein Dienst plant vorsichtiger.

Eine Tour wird enger getaktet.

Ein Gebiet wird unattraktiver.

Ein Anbieter zieht sich vielleicht irgendwann zurรผck.

Und dann wird aus einem hohen Spritpreis ein soziales Problem.

Besonders in lรคndlichen Rรคumen.

Dort, wo Versorgung ohnehin auf Kante genรคht ist.

Deshalb geht es bei diesem Thema nicht nur um Benzin oder Diesel.

Es geht um Daseinsvorsorge.

Es geht um Verlรคsslichkeit.

Und es geht um die Frage, wie wir Menschen versorgen, die nicht warten kรถnnen.

Pflegebedรผrftige Menschen brauchen Hilfe nicht irgendwann.

Sondern heute.

Zu Hause.

Und oft genau dort, wo der Weg am weitesten ist.